DDr.
Heinrich Maier

Kaplan. Widerstandskämpfer. Hingerichtet.

* 1908   † 1945

 

Lebenslauf

Heinrich Maier wurde am 16. Februar 1908 als Sohn von Heinrich (ehemaliger ÖBB-Beamter) und Katharina Maier, geb. Giugno, in Großweikersdorf geboren. Berufliche Veränderungen des Vaters brachten es mit sich, dass die Familie mehrfach umziehen musste. Aufgrund dessen besuchte Heinrich Maier ab 1918 das Gymnasium in St. Pölten. 1926 maturierte er allerdings in Leoben.

Unmittelbar nach der Matura trat Heinrich Maier in das Wiener Priesterseminar ein und studierte an der Theologischen Fakultät der Wiener Universität. Seine Wohnung in Wien befand sich in der Boltzmanngasse 9 im Bezirk Altersgrund. Ab 1928 studierte er schließlich scholastische Philosophie an der Universität Gregoriana in Rom. Ein Studienkollege von Heinrich Maier in Rom war der spätere Wiener Erzbischof Kardinal Franz König. Weitere Studienkollegen waren Karl Berg, der spätere Erzbischof von Salzburg, Josef Köstner, später Bischof von Gurk-Klagenfurt, und Franz Zauner, später Bischof in Linz. Am 16. Juli 1930 promovierte Heinrich Maier zum Dr. phil. schol.

Heinrich Maier kehrte dann wieder nach Wien zurück und setzte mit dem Wintersemester 1930/1931 sein Theologiestudium fort. Er wurde schließlich am 24. Juli 1932 im Wiener Stephansdom mit seinen Jahrgangskollegen von Kapitelvikar Weihbischof Dr. Franz Kamprath zum Priester geweiht.

Zunächst agierte er als Seelsorger in Niederösterreich (ab Oktober 1932 in Schwarzau im Steinfeld, dann in Reichenau, ab September 1934 in Mödling). Mit 1. September 1935 betätigte er sich als Diakon in der Pfarre Wien-Gersthof. Er galt als fröhlicher Kaplan, der ein hohes Ansehen in seiner Gemeinde genoss und vor allem einen guten Draht zu Kindern und Jugendlichen hatte. Heinrich Maier zeichnete sich auch durch Weltoffenheit aus.

Nebenbei studierte er 1935/36 zwei Semester an der juridischen Fakultät. Von 1936 an gab er auch Religionsunterricht an der Technisch-gewerblichen Bundeslehranstalt in Mödling und später am Albertus-Magnus-Gymnasium der Marienbrüder (Wien 18, Semperstraße). Die Lehramtsprüfung schloss er im Jahre 1938 ab. Seine Schüler wussten seine Vortragsweise und seine Kameradschaft sehr zu schätzen und waren von seinem Charisma begeistert.

Heinrich Maier erkannte schon bald die Gefahr, die der Nationalsozialismus mit sich brachte. Er stellte sich gegen dieses menschenverachtende Regime und war bereit, Widerstand zu leisten.

Das NS-Regime verbot 1938 generell den Religionsunterricht. Dies brachte mit sich, dass Heinrich Maier seine Stelle als Pädagoge verlor. Er blieb jedoch weiterhin Kaplan in Gersthof und widmete sich vom Wintersemester 1938/39 an bis zum Sommersemester 1941 wieder dem juristischen Studium. Er dissertierte bereits 1939 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien (Dissertation: "Der Kampf um den richtigen Kirchenbegriff im Spätmittelalter. Dargestellt an Hand von Marsilius von Padua 'Defensor Pacis' und Johannes von Torquemadas 'Summa de Ecclesia'"). Wenige Wochen nach der Einreichung und Approbation seiner Dissertation bestand er am 6. Juli 1939 das erste Rigorosum in Moral- und Pastoraltheologie, am 25. Juni 1941 das zweite Rigorosum für Bibelstudien und zuletzt am 16. Juli 1942 das dritte Rigorosum für dogmatische Theologie. Am 25. Juli 1942 erfolgte Maiers Promotion zum Dr.kath.theol.

"Maier–Messner–Caldonazzi Gruppe", Verhaftung

1940 schloss Heinrich Maier bereits Kontakte zu Widerstandskämpfern. Er galt bis zu seiner Verhaftung am 28. März 1944 als eines der führenden Mitglieder der "Maier–Messner–Caldonazzi Gruppe". Die aus großteils intellektuellen Persönlichkeiten bestehende Widerstandsgruppe zeichnete sich dadurch aus, dass die Mitglieder ihren Fähigkeiten entsprechend mit speziellen Sonderaufgaben betraut wurden.

Zum engeren Kreis zählten DDr. Helene Sokal und ihr späterer Mann, der Chemiker Dr. Theodor Legradi, die über internationale Verbindungen u.a. zum kommunistischen Widerstand verfügten, der Arzt Dr. Josef Wyhnal und der Student Hermann Klepell. Dieser hatte Beziehungen zu sozialistischen Kreisen, während ein weiteres Mitglied, die Kommunistin Pawlin, die Verbindungen mit der KPÖ herstellte. "Maier-Messner" wurde von Mitgliedern der eigenständig agierenden Widerstandsgruppe um den Tiroler Widerstandskämpfer Ingenieur Walter Caldonazzi unterstützt. Die Gruppe kümmerte sich unter anderem um die Sammlung und Weitergabe von Informationen über Standorte, Beschäftigte und Produktionen von NS-Rüstungsbetrieben an die Alliierten. Das Vorhaben, eine amerikanische Sendeanlage des Office of Strategic Services (OSS) von Liechtenstein nach Österreich zu bringen, scheiterte jedoch.

Die Mitglieder der Widerstandsgruppe wurden von verschiedenen Personen verraten und in der Folge nach und nach verhaftet. Kaplan Heinrich Maier wurde im Anschluß an einen Gottesdienst in der Kirche der Pfarre Gersthof verhaftet und kam sogleich in Gestapohaft am Wiener Morzinplatz. Seine Gemeinde war sehr um ihren Kaplan besorgt und organisierte einen Besuchsdienst.

Todesurteil

Heinrich Maier beschäftigte sich während seiner Haftzeit mit dem Studium der englischen und französischen Sprache. Er wurde am 16. September 1944 in die Untersuchungshaftanstalt Wien I überstellt, am 28. Oktober 1944 vom Volksgerichtshof angeklagt wegen "Verbindung zum feindlichen Ausland aufgenommen" und "Lagepläne deutscher Rüstungswerke ins Ausland verraten zu haben, um Luftangriffe der Feinde auf deutsche Rüstungsbetriebe herbeizuführen" und daraufhin wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" durch "Beteiligung an einem separatistischen Zusammenschluss" zum Tode verurteilt.

“Im Jahre 1942 glaubte der Angeklagte Maier die Niederlage Deutschlands im gegenwärtigen Kriege mit Sicherheit voraussehen zu können. Er verkehrte ziemlich rege mit der geschiedenen Ehefrau eines emigrierten jüdischen Wiener Rechtsanwaltes (Sokal) (…) Beide vertraten den Standpunkt, dass Österreich wieder selbständig werden müsse. Sie fassten den Entschluss, sich rechtzeitig mit den Westmächten in Verbindung zu setzen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. (…) Als im Jahre 1942 die Sokal in die Schweiz reiste, - es bleibt unerfindlich, wie es ihr bei ihrem politischen Vorleben und als Ehefrau eines emigrierten Juden gelungen ist, die amtliche Bewilligung hierzu zu erhalten - überbrachte sie im Einvernehmen mit Maier den in Luzern lebenden ehemaligen Jesuitenpater Dr. Karrer eine von Maier verfasste Botschaft (…)”

Botschaft von Heinrich Maier

Heinrich Maier stellte damals in einer Botschaft fest:

“Das gemeinsame Leid hat die Gegensätze im österreichischen Volke überbrückt. Die Parteien, ob rechts oder links, finden sich nun auf einer gemeinsamen Plattform. Sie bejahen das unabhängige, demokratische Österreich. Wir sind bereit, in der Nachkriegszeit unseren Platz in der neugeordneten Völkerfamilie Europas einzunehmen”

Heinrich Maier an seine Mutter Käthe, aus dem LG I, v. 7.10.1944

"Meine liebe Mama! Ob der erste Brief schon in deinen Händen ist, weiß ich natürlich nicht. Der Umweg über Berlin ist lange, auch werfen die Anglo-Amerikaner manchmal Bomben, sodass man nie sicher ist, ob und wann ein Brief ankommt. Zuerst Bericht von mir: Gesundheit, körperlich und geistig sehr gut. Zu irgendwelchen Besorgnissen besteht aber kein Anlass. Ich lese und studiere, auch die Verpflegung ist ordentlich. In diesem Haus darf man keine Packerln empfangen. Ich habe daher das letzte bereits zurückgehen lassen, hoffentlich sind die Sachen nicht in ganz verdorbenem Zustand angekommen; doch muss ich zum Ruhme des Hauses, in dem ich mich augenblicklich befinde, noch einmal betonen, Essen ist ordentlich und für mich, der ich ja nicht mehr den Appetit eines Gymnasiasten habe, auch vollkommen genügend. Ich sehe von meiner derzeitigen Behausung auf das Rathaus, bewundere die Silhouette des "Eisernen Rathausmannes" in jeder Beleuchtung, im Frührot des Morgens, im lichten Abendnebel. Meine Gedanken gehen natürlich oft zu euch: Die Kinder gedeihen sicherlich gut, der Garten, den Erwin erworben, ist ja für Ernst und T. ein Paradies. Erhard I. der Große, macht bereits Weltreisen nach Luschitz! Er folgt aber dem Beispiel seiner Mutter und seines Onkels, die auch in diesem Lebensalter immer zu Großmama fuhren. Ein sehr berühmter Rechtsanwalt ist für mich bereits bestellt, der große Erfahrung in solchen Fällen wie dem meinen hat. Auch diesbezüglich brauchst du keine Sorge haben, es ist schon für mich gesorgt. Schreibe mir also brav über euer Leben, Befinden, die Kinder, ich freue mich schon auf Nachricht von und über euch. Ich wünsche dir, Friedl, Erwin und den Kindern das Beste! Herzlichst Onkel Heinz."

Von Pfarrer Ferdinand Haas an Heinrich Maier, v. 9.10.1944

"Lieber Herr Doktor! Deine Zeilen vom 17.9. sind heute eingelangt und sollen sofort erwidert werden. An deine Frau Mutter habe ich ca. 14tägig geschrieben und monatlich das Geld gesandt, desgleichen auch an Frau Herder. Nach dem schweren Terrorangriff am 10.9. wurde auch deine Wohnung für Bombengeschädigte in Vormerk genommen, bis heute jedoch nicht bezogen (18. Bezirk blieb damals gottlob unbeschädigt). Sollte wirklich die Notwendigkeit eintreten, dann werden wir dein Mobiliar bei uns "einpfropfen", muss jedoch Vorsorge treffen, dass diese Wohnung als Dienstwohnung jederzeit für einen Kaplan (falls ich ihn dringend benötige) wieder freigemacht wird. Wolle uns Gott vor Weiterem verschonen. Deine Uhr gebe ich in die eiserne Kasse. Meine Kanzlei ist mit Koffern vollgeräumt, auch sind drei Koffer mit deinen Kleidern und Schuhen daselbst untergebracht. Frau Rott wird dir morgen die gewünschten Winterkleider hintragen. Es hat uns alle beruhigt, dass du seelisch und körperlich dich wohl fühlst. Nach Möglichkeit werden wir Nährmittel für dich besorgen. Wir sind soweit alle gesund - Melitta ist weiter beim Landdienst in Hornstein eingeteilt, Frau Rott über und über beschäftigt. Firn kam von Wien anfangs September weg und zieht an der Nordsee herum (auch von ihm kam gute Nachricht, er hat aber keine Feldpostnummer). Lisi hält deine Sachen in Ordnung. Lohn erhält sie von mir weiter. Deinen Dank und die Grüße werden weiter vermittelt. Freundliche Grüße von uns allen - auch von den vielen Bekannten. Ferdinand Haas, Pfarrer."

KZ Mauthausen, Folterungen, Hinrichtung am letzten Hinrichtungstag vor der Befreiung Wiens, letzte Worte

Nach dem Todesurteil erfolgte die Überstellung von DDr. Heinrich Maier in das KZ Mauthausen. Seinen Henkern gelang es nicht, ihm durch schreckliche Folterungen Geständnisse zu erzwingen.
Er wurde am 18. März 1945 nach Wien zurückgebracht, und am 22. März 1945, am letzten Hinrichtungstag vor der Befreiung Wiens durch die Alliierten, im Landesgericht Wien 1 mit anderen Verurteilten durch das Fallbeil geköpft. Er starb mit den Worten: ES LEBE CHRISTUS, DER KÖNIG! ES LEBE ÖSTERREICH!

Verbringung der Leiche vom Zentralfriedhof zum Friedhof in Neustift am Walde

Die Leiche von DDr. Heinrich Maier wurde zunächst in einem Schachtgrab am Wiener Zentralfriedhof beerdigt. Nach Kriegsende im Mai 1945 wurde er von Freunden dort exhumiert und erhielt ein Ehrengrab im Friedhof in Neustift am Walde.

Straßenbenennung

Laut Gemeinderatsausschuss für Kultur vom 14. Februar 1949 wurde die Dr.-Heinrich-Maier-Straße nach dem Kaplan und Widerstandskämpfer benannt.

Würdigung

1988 wurde am Gersthofer Pfarrhaus eine Gedenktafel für ihn angebracht. Hans Schwabenicky schuf für die Gersthofer Kirche eine Holzskulptur „Der Kopflose“, der Komponist Gerald Spitzner, ein Großneffe, widmete ihm das „Heinrich-Maier Oratorium“

Gedenkort

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenktafel auf der Gruppe 40

Sein Name befindet sich auf einer Gedenktafel, die am 27.10.2015 feierlich auf der Gruppe 40 enthüllt worden ist.

Weblinks und Quellen

Wir erinnern uns

Sie sind eingeladen, Ihre persönliche Erinnerung an
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